12 Juli 2009

DIe Freundlichkeit, der Kunde und die BVG

Zwei Erlebnisse in jüngster Zeit bringen mich dazu, mal ein paar Gedanken über das Verhältnis der BVG zum Kunden zu formulieren.
Vorab möchte ich betonen, dass die absolute Mehrzahl der Fahrer und Angestellten bei der BVG ihren Job ordentlich machen.
Allerdings gibt es offensichtlich Strukturen und Einzelfälle, die negativ herausragen.

1. Einzelfall: mit meinem Jungen bin ich Sonntag Nachmittag vor ein paar Wochen in die Tram (M2) eingestiegen. Sofort gab es eine so laute Durchsage, dass man wegen der schieren Lautstärke nichts verstehen konnte. Ein Fahrgast ist dabei regelrecht aus der Tram gesprungen (später erzählte er mir, dass er selten jemanden so laut hat schreien hören).

Als ich realisierte, dass der Fahrer sich auf uns bezog ging ich nach vorne, um zu fragen, was los sei. Der Fahrer hatte bereits die Tür aufgerissen und schrie uns an, dass es nicht erlaubt sei, dass Fahrgäste auf Rollschuhen die Tram benutzen dürfen.
Die BVG das hier auch schriftlich in einem 130-seitigen pdf-Dokument im Rahmen der Beförderungsbedingungen (§4 Verhalten der Fahrgäste) geregelt.
Allerdings kann man auch mit aller Ruhe darauf hinweisen und muss nicht über die Lautsprecheranlage schreien.
Der Fahrer verweigerte mir übrigens die Nennung seines Namens mit der logischen Antwort, dass er mit einer Frau verheiratet sei. Wir stiegen dann gleich wieder aus.
Zudem fuhr der Fahrer noch bei Rot über eine Ampel, so dass ich ihn nicht mehr zwecks Identifikation fotografieren konnte.

Niemand von den Fahrgästen traute sich offenbar etwas zu sagen. Mein achtjähriger Junge hatte an dem Tag seine normalen Schuhe übrigens vergessen...


2. Strukturen: wir teilen uns in der Familie eine übertragbare Umweltkarte. Diese hatte ich bei der Fahrt über die Warschauer Brücke (es regnete gerade) nicht dabei.
Als ich kontrolliert wurde erhielt ich dementsprechend einen Überweisungsträger zur Zahlung, der allerdings keinen Betrag enthielt.
Fälschlicherweise ging ich davon aus, dass ich noch eine separate Zahlungsaufforderung per Post erhalten würde, so dass ich schon überrascht über die Zahlungsaufforderung i.H.v. 80€ der infoscore Forderungsmanagement GmbH war. Dieses Inkasso-Unternehmen ist eine Bertelsmann-Tochter.
Ich will hier nicht weiter lamentieren, ich hatte keinen Fahrausweis dabei und hatte mich nicht innerhalb von sieben Tagen bei der BVG gemeldet.

Im "Kundencenter" zeigte man sich allerdings so kalt und unbeweglich, dass es mich schon ein bisschen grauste. Hier offenbart sich eine interne Unternehmenskultur und eine Sicht auf den Kunden, die erschreckend ist.

zum Kundencenter

Allerdings ist die Art wie mit Fahrgästen bzw. Kunden umgegangen wird für mich schon bezeichnend. Ein Unternehmen wie die BVG, bei dem der Chef den Wechsel des Dienstsitzes in Berlin mit der besseren Nutzung der neuen Kantine begründet, welches sich hinter Gittern verstecken muss

Eingang hinter Gittern

und welches ein Inkasso-Unternehmen beauftragt, das ohne jeden Grund bei der ersten schriftlichen Kommunikation mal eben den Forderungsbetrag fast verdoppelt ist definitiv nicht kundenorientiert.
Arvato ("Alles im Dienst der Kunden") spricht von sich aus ja auch interessanterweise von maßgeschneiderten Lösungen für ihre Kunden, also hier die BVG. Dort scheinen die Controller alles dafür zu tun, den Kunden zu schröpfen wo es nur geht, anstelle durch Service und Freundlichkeit (ggf. sogar mal Kulanz, was für ein Fremdwort bei der BVG) zu überzeugen.


Hier hat die BVG offenbar noch einen sehr weiten Weg vor sich, bis es die Fahrgäste auch als Kunden akzeptiert, damit diese überhaupt weiter die BVG nutzen wollen und nicht wieder aufs Auto umsteigen.

11 Juni 2009

O2 World hacked

Offenbar scheint es recht einfach zu sein, das überdimensionierte Werbedisplay der O2 World an der Warschauer Brücke zu hacken.


Ein paar Jungs haben das mit einem Macbook getan und dokumentiert:


Kommt offenbar aus dem Umfeld der Initiative
"Mediaspree versenken".

Update: verschiedene Twitterer mutmaßen,
dass es sich bei dem Video ggf. auch um einen Fake
handeln könnte. Es gibt bereits Aufrufe an die beiden
Jungs sich zu melden...

Update 2: in den Kommentaren zu diesem Post
wird argumentiert, dass es sich auf jeden Fall um einen
Fake handele.

Update 3: die Berliner Morgenpost hat inzwischen mit
den Machern des Videos gesprochen. Hier geht´s zu
dem Artikel.

08 Juni 2009

Wenn Friedrichshain-Kreuzberg ein eigenes Land wäre...


dann würden in "Frieberg" die Grünen allein regieren.

Bei den Europawahlen hat sich einmal mehr gezeigt, dass Friedrichshain-Kreuzberg anders wählt als der Rest der Republik.

Die Grünen kommen hier im Bezirk auf 43,2%, während die CDU ganze 9% holt.
Die zweistärkste Kraft sind die Linken mit 17,8%, vor der SPD (15,4%), Union, der FDP (scheitert mit 4,4% an der Fünfprozenthürde) und der Piratenpartei mit 3,4% (und die Naziparteien kommen in Summe auf nur 1,5%).
In einer ganzen Reihe an Wahlbezirken kommen die Grünen sogar auf über 50%.
  • damit haben die Grünen das berlinweit beste Ergebnis erzielt
  • grün ist in diesem Bezirk sozusagen Mainstream
  • hätten die absolute Mehrheit in dem fiktiven Land "Frieberg"
Wo gibt es in Deutschland ein vergleichbares Wahlergebnis?
Und wo in Europa?

Ja, wenn Friedrichshain-Kreuzberg ein eigenes Land wäre...

P.S.: in Berlin liegen die Grünen nur knapp unter 6.000 Stimmen hinter der CDU

04 Februar 2009

Interview mit dem twitternden Bundestagsabgeordneten Jakob Mierscheid


Wir befinden uns in einem Berliner Restaurant. Der Bundestagsabgeordnete Jakob Maria Mierscheid (SPD) hält sein neues iPhone in der Hand.

etorsten:
Hallo Herr Mierscheid, nett Sie mal persönlich zu treffen.

Mierscheid:
Ich sitze ja schließlich schon seit 1979 im Bundestag, da hätten Sie mich ja schon lange mal treffen können.


etorsten: Warum habe ich Sie noch nie im Bundestag gesehen?
Mierscheid: Die Taubenzucht hält mich oft davon ab, an den Plenarsitzungen des Bundestages teilzunehmen.

etorsten: Wie kommt es, dass Sie in Ihrem Alter (Jahrgang 1933), die neuen Medien für sich entdeckt haben?
Mierscheid:
Mein junger Kollege, ich glaube Sie machen den Fehler, von meinem Aussehen auf meinen geistigen Zustand rückzuschließen!


etorsten: Und mit welchem Zweck twittern Sie?
Mierscheid:
Ich erwarte mir von Twitter neue Erkenntnisse für die Taubenzucht.


etorsten: Wie erklären Sie sich Ihren sensationellen Erfolg auf Twitter?
Mierscheid:
Vielleicht handelt es sich um eine Gesetzmäßigkeit zwischen dem Virtuellen und dem Reellen.


etorsten: Wie bitte?
Mierscheid:
Die Gesellschaft verliert Halt bei den Fragen des Alltags und sucht Antworten im virtuellen Raum.


etorsten: Und Sie glauben diese auf Twitter geben zu können?
Mierscheid:
2380 Follower können nicht lügen.

etorsten:
Warum fangen Sie denn jetzt mitten im Interview an zu twittern?

Mierscheid:
Ich bitte gerade meine Follower um anständige Fragen.


etorsten:
Hat Twitter bereits Einfluss auf die politische Kommunikation?

Mierscheid:
Bislang kaum, aber ich denke für die Wahlprognostik könnte Twitter entscheidende Verbesserungen bringen.


etorsten: räuspert sich
Mierscheid:
fquadrat stellt gerade eine Frage über Twitter.


etorsten: Ja?
Mierscheid:
Wo man in Berlin am besten untertauchen könne?


etorsten: Und?
Mierscheid:
In Berlin gar nicht nötig, als Hinterbänkler geht man immer unter.


etorsten: Zurück zum Thema. Wie lautet Ihre Prognose für die für die Bundestagswahl?

Mierscheid: Laut Mierscheid-Gesetz richtet sich der Stimmenanteil der SPD bei Bundestagswahlen nach der deutschen Rohstahlproduktion in den alten Ländern im Wahljahr in Millionen Tonnen.

etorsten: Vielen Dank für das Gespräch!

Jakob Maria Mierscheid verlässt twitternd das Restaurant.

Update: Herr Mierscheid hat unser Interview getwittert.

30 Januar 2009

IBM mag kein Apple

Ok, dies ist jetzt eine grobe Vereinfachung, aber der Gedanke kam mir heute, als ich diese Meldung in meiner Inbox las:



Zumindest hat mein Blogpost über die Mac-Nutzung seitens Obama das Unfollowen seitens des Twitter-Users IBM DataPower ausgelöst.

Mensch, IBM-Jungs locker bleiben. 
Ist doch nur Obama, der einen Mac nutzt ;-)
 

03 Januar 2009

Jahreswechsel 2008/2009

Ich möchte auch in diesem Jahr, wie auch schon im Vorjahr eine kurze stichwortartige Zusammenfassung des letzten Jahres versuchen und dies mit einem Ausblick verbinden.

Der Jahreswechsel ging dieses Jahr einher mit der
Einstellung von Radio Multikulti und startete am Neujahrstag mit einem Besuch in Roncalli's Weihnachtscircus. Sensationell gut ist beispielsweise David Larible als Clown.

Ein paar Punkte zum vergangenen und zum neuen Jahr:

  • bei nugg.ad haben wir in 2008 große Fortschritte gemacht -> prediction für 2009: das Jahr wird richtig gut für nugg.ad!
  • Rückkehr nach Mexiko Anfang 2008, das Land ist einfach klasse!
  • in diesem Blog hat es immerhin 23 Posts in 2008 gegeben -> prediction für 2009: mal schauen ob sich das von mir so fortsetzen lässt. Ich habe gesehen, dass ich vor allem über Entwicklungen im Friedrichshain poste.
  • in meinen beiden anderen Blogs (hier und hier) kamen noch mal 8 bzw. 10 Posts hinzu -> prediction für 2009: denke, dass ich dieses Niveau ungefähr halten werde.
  • neben den Blogs habe ich vor allem Twitter, Friendfeed, Facebook und Plurk mit Posts gefüllt -> prediction für 2009: mehr geht nicht, werde mich auf Twitter konzentrieren.
Es wird ein spannendes und intensives Jahr 2009 werden.

01 Januar 2009

Nachruf auf das vielfältigste Radio Berlins

Am Silvesterabend wurde es eingestellt und durch das funkhaus europa vom wdr ersetzt:



Insgesamt sendete multikulti in 21 Sprachen und 14 Jahre lang. Berlin verliert damit ein buntes und weltoffenes Programm, welches der RBB leichtfertig zugunsten der üblichen Mainstream-Sender wie Antenne Brandenburg & Co aufgegeben hat.

Natürlich ist seit der Entscheidung im Mai 2008 bereits eine Menge geschrieben worden, hinweisen möchte ich auf den Nachruf in der taz vom 30.12.08, der weitere "Sparmaßnahmen", die bis heute nicht fest zu stehen scheinen, erwähnt.

Da fragt man sich natürlich schon, warum es dann so schnell den Sender, der eine Reihe an Minderheiten bedient hat, zuerst getroffen hat...

Das neue Jahr fängt jedoch auch mit einem guten Zeichen an. Inzwischen kann man Radio Multicult 2.0 via Internet hören.

Hier muss zwar noch an einigen Dingen gearbeitet werden, bspw. einer richtigen Benennung des Senders in den Streams als auch an der Website, dafür hat man aber ein via Internet über Berlin hinausragendes neues Webradio (mehr bei der Netzeitung).
Und wie ist man nur auf den Zusatz 2.0 gekommen?

Hier geht es zu den einzelnen Streams, über die man Radio Multicult hören kann.

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